Großfestungen

Weiträumige Wehranlagen

 

Zentralfestung mit ringförmig angeordneter Kette von vorgelagerten Festungsanlagen, wie Forts und Batterien, zur Sicherung von Städten und Waffenplätzen.

 

 

Napoleons „galoppierende Artillerie“ wich Ende des 18. Jahrhunderts vielen Einzelfestungen einfach aus und machte sie somit unwirksam. Der hohen Mobilität und gewachsenen Reichweite seiner Geschütze waren die meisten Verteidiger in ihren solitären Bollwerken unterlegen. Eine neue Generation des Festungsbaus sollte dem entgegen wirken: das Großfestungssystem zur Verteidigung strategisch wichtiger Landschaften und großer Städte.

 

Kreisförmig um das Stadtzentrum, im Abstand von bis zu 5 Kilometern, wurden zum Teil mehrere Ringe aus Forts mit Kanonenstellungen und Zwischenwerken errichtet, die den Feind auf Abstand halten sollten. Wegen der ständig wachsenden Reichweite der Kanonen lagen einzelne Forts bis zu 15 Kilometer von den Innenstädten entfernt. Sie beschützten wichtige Straßen, Bahnlinien und Siedlungsbereiche.

 

Insbesondere Preußen praktizierte solche Festungsanlagen im Osten gegen den russischen Nachbarn, während Russland das damalige Königreich Polen auf diese Weise gegen Preußen befestigte.

 

Die faszinierenden Spuren dieser gigantischen Anlagen sind heute noch in vielen Städten Zentraleuropas und darüber hinaus sichtbar. Poznan, Torun, Krakow und Przemysl (Polen), Ulm und Magdeburg (Deutschland), Genua (Italien) und Paris (Frankreich) gelten als berühmte Vertreter dieses Festungstyps. Die Habsburgische Monarchie baute das Festungsviereck Verona - Peschiera del Garda – Mantua - Legnago zu einem der größten Regionalfestungssysteme Europas aus, um die besetzten norditalienischen Gebiete zu halten, ein noch recht unbekanntes touristisches Erlebnisfeld.